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Anno 1516 in Ingolstadt…
Zu Beginn des 16. Jahrhunderts befand sich In-
golstadt in seiner ersten Blütezeit: Die Stadt war
Bayerische Herzogsresidenz und das Neue Schloss,
von Herzog Ludwig VII. von Bayern-Ingolstadt in
Auftrag Mitte des 15. Jahrhunderts erbaut, durch
Herzog Ludwig IX. und dessen Sohn Herzog Ge-
org der Reiche zu einem der beeindruckendsten
Schlossbauten der damaligen Zeit ausgebaut.
Handwerk und Zünfte florierten und durch die
Erste Bayerische Landesuniversität entwickelte sich
die Stadt an der Donau auch geistig-kulturell zu
einem Zentrum Mitteleuropas. Natürlich wurde
wie überall zur damaligen Zeit auch in Ingolstadt
gerne gefeiert und dem Genuss alkoholischer Ge-
tränke gefrönt, von der einfachen Bauern- und
Landbevölkerung über die zahlreichen Studenten
der Stadt bis zum gelehrten Universitätsprofessor
und angesehenen Bürger.
Nicht selten sah man zu der Zeit jedoch zahllose
Menschen, egal welchen Ranges und welcher Her-
kunft, durch die Gassen der Stadt taumeln oder
gar bewusstlos am Boden liegend, speziell nach
dem Genuss von Bier, das zur damaligen Zeit al-
lerorten in rauen Mengen ausgeschenkt wurde.
Der Grund dafür lag nicht etwa am Alkohol, den
das Bier bereits früher schon innehatte – vielmehr
waren es viele äußerst zweifelhafte Inhaltsstoffe
und Beimengungen, die das Bier oftmals nicht nur
ungenießbar sondern dessen Verzehr auch lebens-
gefährlich machten. Auch von einigen Todesfällen
wurde berichtet.
Die Freunde des Gerstensafts waren, wie aus den
verschiedensten Quellen überliefert ist, im Mittel-
alter auf abenteuerliche Ideen gekommen, um ih-
rem Gebräu einen besonderen Geschmack zu ver-
passen, es wieder aufzufrischen oder es haltbarer
zu machen. Zum Beispiel wurde Ruß verwendet,
um helles Bier kurzerhand zu dunklem Bier zu ma-
chen. Auch Kreidemehl kam zum Einsatz, Fliegen-
pilz oder Bilsenkraut, das nachweislich nicht nur
berauschende sondern psychoaktive Wirkungen
auf die Menschen hatte.
Herzog Wilhelm IV. wollte damit endgültig Schluss
machen und verbannte kurzerhand mit der von ihm
geforderten rechtsverbindlichen Beschränkung auf
die drei Inhaltsstoffe Wasser, Gerste und Hopfen
sämtliche sonstige Inhaltsstoffe aus dem Bier. Doch
der Herzog verfolgte mit dem Erlass noch ein wei-
teres Ziel: Er schuf eine gesetzlich fundierte Preisre-
gelung für diese Inhaltsstoffe, allen voran für den
Weizen oder Roggen. Gerade dieses Getreide war
in der damaligen Zeit auch im „reichen“ Ingolstadt
von hohem Wert und sollte den Bäckern vorbehal-
ten werden.
Im Laufe der
Jahrhunder-
te entwickel-
ten die Brau-
meister aus
den stren-
gen Vorga-
ben für das
Brauen für
Bier die Basis
für die hohe
Qualität des
bayerischen
Bieres. „Rei-
nes“ Bier aus
Bayern ist gerade heutzutage ein international an-
erkanntes und geschätztes Produkt, das seinesglei-
chen sucht. Aus dem einstigen Anti-Drogen- und
Preisregulierungs-Gesetz von Herzog Wilhelm IV.
ist so das älteste, auch heute noch gültige Lebens-
mittelgesetz der Welt geworden – und Ingolstadt
zur Wiege des bayerischen Bieres.
Heute ist Ingolstadt eine der dynamischsten Städ-
te in ganz Deutschland: Prosperierendes Wirt-
schaftszentrum mit annähernd Vollbeschäftigung
und hoher Lebens- und Freizeitqualität. Ingolstadt
ist Boomtown – die 1200 Jahre Stadtgeschichte
als Herzogs-, Universitäts- und Festungsstadt sind
aber nach wie vor überall im Stadtbild sichtbar. Zu-
sammen mit dem modernen Ingolstadt, geprägt
von Automobil und Technik, Shopping und Design,
gehen sie eine wunderbare Symbiose zu einem un-
vergleichlichen urbanen Flair ein.
Die Bayerische Landesausstellung ist kaum vorü-
ber, da steht bereits das nächste Highlight vor der
Tür: das Jubiläum anlässlich des 500.Geburtstags
des Bayerischen Reinheitsgebots für Bier. Das gan-
ze Jahr 2016 über feiert die Stadt mit Events und
außergewöhnlichen Attraktionen rund um das
Thema Bier. Highlights sind das Fest zum Reinen
Bier (Bericht in dieser Ausgabe) und das Jubiläums-
fest (03.-06.05.2016), die bierigen Stadtführun-
gen und Brauereiführungen (von April bis Oktober)
sowie Sonderausstellungen in den Museen.
Die Ingolstadt Tourismus und Kongress GmbH
(ITK) freut sich auf das Jubiläumsjahr und darauf,
zahlreiche Gäste aus Nah und Fern in Ingolstadt
begrüßen zu können. Mit einem speziellen Wirts-
haus-Pass, einer detaillierten Programmbroschüre
sowie einem besonderen Bierticket für die Anreise
mit der Bahn hat die ITK außerdem attraktive An-
gebote entwickelt, die einen Besuch im Jubiläums-
donau
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